Die Landung: "Hohe Kunst" oder doch Tagesgeschäft?

Back14 November 2017

Ein Flugzeug zu landen gehört zu den wichtigsten Fähigkeiten, die ein Pilot beherrschen muss. Was nutzt der schönste aller Flüge, wenn im Anschluss die Landung zum Desaster wird...?

Die Landung ist das letzte Manöver eines Fluges. Und sie ist u.a. das erste, was ein angehender Pilot lernt. Jeder mitlesende Pilot wird sich - mehr oder weniger gerne - an das "Runden-Schrubben" erinnern, das unmittelbar am Anfang der Pilotenausildung steht.
Zunächst wird der Schüler mit der Schulungs-Maschine vertraut gemacht, und dann geht's in die Platzrunde. Start, einmal rum, und sofort wieder landen... Das ganze dauert nur wenige Minuten, denn es geht nur darum, dass der Schüler lernt, wie man ein Flugzeug landet.

Aber wie landet eigentlich ein Flugzeug? Was passiert da? Was müssen die Piloten beachten. Und warum müssen die Passagiere für die Landung vorbereitet werden?

Als Passagier hört man die Durchsage: "Wir haben soeben mit unserem Anflug auf <???> begonnen...", manchmal verbunden mit der Aufforderung, die Gurte anzulegen.
In letzterem Fall weiß die Cockpit-Crew, dass es unterhalb der Reiseflughöhe turbulent zugehen kann. Meist folgt auch eine Durchsage aus dem Cockpit, in der der Pilot das Wetter am Zielort bekannt gibt. Die Crew weiß also über das Wetter-Geschehen bescheid.

Der Flieger sinkt, zunächst unmerklich. Sobald eine Flughöhe von 10.000 Fuß unterschritten ist - etwa 3.000 Meter - greift eine Geschwindigkeits-Beschränkung: ab hier darf nur noch mit max. 250 kt., also ~450 km/h geflogen werden. Das alles nimmt man in der Kabine noch nicht wahr.
Der aufmerksame Fensterplatz-Inhaber stellt allerdings fest, dass die Abstände zwischen den Lichtquellen größer werden.

Im Cockpit weiß man mittlerweile, welche Landebahn man - vorraussichtlich - anzufliegen hat und übergibt diese Information dem FMC (=Flight Management Computer), der daraus die Anflug-Route berechnet. Wenn nichts dazwischen kommt, folgt der Flieger dieser Route bis zum "Intercept". Dort nimmt der Flieger den End-Anflug auf. Nun kommt in den meisten Fällen die große Stunde des Instrumenten-Landesystemes, des sog. "ILS":

Am Ende der Landebahn steht eine Antenne, der sog. "Localizer", und sendet ein stetiges Signal dem Flieger entgegen. Ein Empfänger im Flugzeug nimmt dieses Signal auf und kann nun dem Piloten die relative Position zur Landebahn-Mittellinie (Runway Centerline, kurz: RCL; wir müssen ja immer alles in Englisch verwursten...;-)) anzeigen.
Eine zweite Antenne steht neben der Landebahn, genau an der Position, an der der Flieger aufsetzen soll und sendet ebenfalls ein Signal mit einem Winkel von 3° dem Flieger entgegen. Auch dies wird vom Flieger empfangen, und nun weiß der Flieger auch, ob er sich über, unter oder genau auf der richtigen Anflughöhe befindet. Auch dies wird dem Piloten angezeigt. Diese Antenne nennt man Glide Path.

Zunächst fliegt man so an, dass der Localizer in der Mitte steht und richtet die Maschine nach der Landebahnrichtung aus. In der Regel ist man an der Stelle unterhalb des Glide Path und wartet nun darauf, dass dieser von oben einläuft. Ist dies passiert, geht die Maschine in den finalen Sinkflug und "rutscht das ILS runter", wie man auch sagt. Man kann auf diese Art punktgenau eine Landebahn anfliegen, ohne sie zu sehen.

Üblicherweise sieht man jedoch irgendwann die Bahn und bringt die Maschine mit einer errechneten Geschwindigkeit über die Landebahn, nimmt die Gase heraus, hebt die Nase leicht an und setzt mit dem Hauptfahrwerk zuerst auf. Das war's schon...!

Kommt Seitenwind ins Spiel, fliegt man mit der Nase in den Wind gedreht an, richtet die Maschine kurz vor der Bahn wieder in Landerichtung aus und wirkt dem Wind entgegen, indem man sie in den Wind kippt, also eine leichte Schräglage in den Wind einnimmt. Das Flugzeug würde jetzt in diese Richtung drehen, was dadurch verhindert wird, dass man mit dem Seitenruder in die entgegengesetzte Richtung steuert. Der sonstige Ablauf ist immer der selbe: Gase raus, Nase hoch, hinsetzen...

Sollte es nun in Böen von der Seite wehen, muss natürlich jede Böe pariert werden, indem man die Schräglage variiert. Das kann je nach Wind und Bockigkeit schonmal recht wild aussehen und sich auch so anfühlen, aber eines ist gewiss: vorne im Cockpit hat gerade jemand sehr viel Spaß... :-)